Beschaffung in Vietnam: Teil 1 – So funktionieren Vietnams Beschaffungsmodelle

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HANOI – Unabhängig von der Tatsache, ob ausländische Unternehmen in Vietnam Produkte herstellen, zusammensetzen, einkaufen oder entwickeln, muss jeder Geschäftsbereich zur Bereitstellung der notwendigen Güter, Komponente und Rohmateriealien sein eigenes individuelles Geschäftsmodel entwickeln. Diese wird über einen kurz- oder langfristigen Geschäftserfolg entscheiden. Die richtigen Entscheidungen zu treffen ist wichtig, da jeder kleine Fehler kostspielige Folgen mit sich führen kann.

Unternehmen, welche ihre Produkte aus Vietnam beziehen, werden alle an jenen Punkt kommen, ab dem es notwendig wird eine dauerhaften Einrichtung mit Vollzeitangestellten in Vietnam zu gründen, welche sich um Lieferantensuche, Preisverhandlungen, Ausfuhrformalien, Qualitätskontrolle und weitere Angelegenheiten vor Ort annehmen. Grundsätzlich eröffnen sich ausländischen Investoren die folgenden drei Varianten:

  • Repräsentanz Büro
  • GmbH

o   Dienstleistungsunternehmen

o   Handelsunternehmen

Jedes dieser Geschäftsmodelle zeichnet sich durch einzigartige Charakteristiken aus, welche sie voneinander unterscheiden. Das am besten passende und kosteneffizienteste Modell für ein individuelles Geschäft hängt von den Unternehmenszielen und der Geschäftsausrichtung ab. Im Folgenden informieren wir Sie über Schlüsselmerkmale der einzelnen Modelle.

Repräsentanz Büro

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Eine Repräsentanz ist das einfachste und günstigste Geschäftsmodell und ist typisch bei:

  • Kontaktpflege mit bestehenden Lieferanten
  • Koordinieren von Beschaffungsaktivitäten
  • Beihilfe zur Qualitätskontrolle in den Fabriken der Lieferanten; und
  • Suche nach neuen Lieferanten.

Ein Repräsentanzbüro agiert als verlängerter Arm seines Mutterunternehmens und hat innerhalb Vietnams keinen Rechtsstatus. Der Repräsentanz ist die Ausübung von gewinnbringenden Geschäftstätigkeiten im Land untersagt. Daher kann es nur indirekt mit vietnamesischen Unternehmen interagieren.

Vorteilhaft ist, dass für eine Repräsentanz keine Kapitalzufuhr erforderlich ist und schlicht nach finanziellem Bedarf Geldmittel übertragen werden können. Das Büro ist involviert in die Unterstützung des Beschaffungswesens, fällt jedoch nicht unter die Körperschaftsteuer. Es muss jedoch eine Mehrwertsteuer von 10 Prozent auf Einsatzstoffe und Dienstleistungen entrichten. Unternehmen die beabsichtigen ein Repräsentanz Büro zu registrieren, müssen mindestens seit einem Jahr aktiv sein.

Die ausländische Belegschaft einer Repräsentanz kann in ein direktes Beschäftigungsverhältnis mit dem Büro. Im Gegensatz zu anderen Ländern der Region sind sie dazu ermächtigt vietnamesische oder ausländische Beschäftigte auf direktem Wege einzustellen.

Während die Gründung und Unterhaltung einer Repräsentanz relativ einfach ist, ist ihr Handelsspielraum doch stark eingeschränkt. Dieser Umstand kann sich aber auch als ein Vorteil erweisen, da hiermit eine vereinfachte Buchführung einhergehen und die Steuerbelastung gemindert, sowie Kosten gering gehalten werden. Es ist jedoch zu bemerken, dass eine Repräsentanz unter Umständen, auf Grund ihrer Geschäftstätigkeit mit dem Mutterunternehmen im Ausland, eine kostspielige Angelegenheit werden kann.

Trotz ihrer Nachteile entscheiden sich ausländische Unternehmen immer öfters für eine Repräsentanz als ersten Schritt in den vietnamesischen Markt. Es ermöglicht Unternehmen Einblicke in die Wirtschaftssituation eines Landes, während es sich leichten Fußes hindurchbewegt. Nur eine geringe Mitarbeiterzahl ist notwendig um passende Lieferanten ausfindig zu machen und um Qualitätskontrollaufträge durchzuführen. Solange die Kosten gering gehalten werden und die Aktivitäten des Büros im Einklang mit der Ausrichtung des Mutterunternehmens sind, gibt es keine bessere Alternative. Viele ausländische Unternehmen verwenden eine Repräsentanz, um Büros vor Ort anzumieten, lokale Mitarbeiter anzuwerben und Arbeitsvisa für ihre ausländische Belegschaft zu erhalten.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung – GmbH

Eine ausländische Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) kann, anders als eine Repräsentanz, Gewinne generieren und lokale Rechnungen in vietnamesischem Dong ausstellen. Desweiteren haften die Inhaber nur in Höhe der von ihnen ins Unternehmen eingebrachten Kapitaleinlage. Eine GmbH ist ebenfalls berechtigt lokale Mitarbeiter einzustellen.

In einer GmbH haften Gesellschafter für die Schulden der Gesellschaft nur in Höhe ihrer Kapitaleinlage. Einen Mindestbetrag für die Einlage gibt es nicht. Jedoch erwarten die Behörden von ausländischen Investoren, welche eine GmbH in Vietnam gründen wollen, dass die Kapitaleinlage in angemessener Höhe, ausgehend vom Stammkapital und der Geschäftsausrichtung des geplanten Projektes, erbracht wird. Bei der Gründung in einigen Geschäftsbereichen wie Bankenwesen, Immobilien oder Prüfungsdienstleistungen kann jedoch ein Mindestkapital vorgeschrieben werden. Eine GmbH kann sich aus mindesten einer oder mehrerer Personen zusammensetzten, aber maximal nur aus 50 Personen bestehen. Sowohl Unternehmen wie auch private Personen können als Investoren in Frage kommen. Eine GmbH ist nicht in der Lage Aktien auszugeben.

Für Beschaffungszwecke kommen zwei Formen der GmbH infrage:

  • Dienstleistungsunternehmen; und
  • Handelsunternehmen

Dienstleistungsunternehmen

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Das Kerngeschäft eines Dienstleistungsunternehmens ist die Bereitstellung von Dienstleistungen an Dritte. Ausländische Investoren, die im Beschaffungswesen tätig sind, nutzen diese Unternehmensform, um Dienste wie Markt- und Lieferantennachforschungen, Qualitätskontrolle, Produktentwicklung, Gestaltung und Logistik anzubieten. Die Gründung eines Dienstleistungsunternehmens erweist sich gegenüber dem Handelsunternehmen als einfacher, da der Zeitaufwand und das notwendige Startkapital geringer sind.

Dienstleistungsunternehmens haben sich als hervorragende Alternative zur Repräsentanz erwiesen. Insbesondere sobald sich die Geschäftstätigkeiten einer Repräsentanz ausweiten und einen Kostenanstieg verursachen. Durch eine grundlegende Überprüfung der Ausgaben und alternativen Geschäftsmodellen zeigt sich, wie sich diese Art des strukturellen Wandels als hilfreich bei der Reduzierung der Steuerlast erweist und zugleich die Flexibilität der Geschäftstätigkeiten erhöht.

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Hegt ein Unternehmen den Wunsch sich im Ein- und Ausfuhrgeschäft, sowie an der inländischen Distribution (Einzelhandel, Großhandel, Franchising) in Vietnam zu beteiligen, so ist die Gründung eines Handelsunternehmens die beste Entscheidung. Die Gründung einer solchen Unternehmensform ist mit geringen Kosten verbunden und ist den ausländischen Investoren von großem Nutzen. Durch die Kombination des Beschaffungswesen und der Qualitätskontrolle mit den Einkauf- und Exporteinrichtungen werden Reaktionszeiten beschleunigt und die Kontrolle im Beschaffungswesen erhöht. Handelsunternehmen im Inland haben somit erhebliche Effizienzvorteile gegenüber Unternehmen, die ausschließlich aus dem Ausland agieren.

Auch für ausländische Unternehmen, welche in Vietnam beschaffen, um im Zuge dessen wieder nach Vietnam zu verkaufen, erweist sich ein Handelsunternehmen als Vorzugswahl. Ohne eine vietnamesische Handelsgesellschaft können Unternehmen Einkäufe ausschließlich aus dem Ausland tätigen und müssten die erworbenen Waren zunächst ins eigene Herkunftsland verschiffen, bevor sie wieder nach Vietnam über lokale Verteiler verkauft werden können. Hinzu müssen neben den Kosten für Logistik noch Mehrwertsteuer und Zollabgaben entrichtet werden.

Handel und Distribution sind für ausländische Investoren noch immer schwer zugängliche Bereiche. Das Zulassungsverfahren kann 4 bis 6 Monate vom Zeitpunkt der Beantragung bei der zuständigen Behörde andauern, bevor die Gewerbelizenz ausgestellt wird.

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Fabian Knopf, Sr. Associate, Co-Head of German Desk, Dezan Shira & Associates
Fabian.Knopf@dezshira.com

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