ASEAN’s 2015 AEC Compliance Deadline (Fristgerechte Einhaltung der Vorschriften der Asean- Wirtschaftsgemeinschaft) – Was bedeutet das tatsächlich?

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Ein häufig propagiertes Merkmal der Entwicklung innerhalb der ASEAN ist die so genannte “AEC Compliance Deadline”, welche am 31. Dezember 2015 fällig wird. Der Begriff ist eine eher unzutreffende Bezeichnung und hat zu vielen Missverständnissen über seine eigentliche Bedeutung geführt.

Vor Ablauf der Frist haben sich alle Mitglieder der ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen) dazu bereit erklärt, ihre Zölle für grenzüberschreitende Importe und Exporte zu senken. Von diesen zehn Nationen haben sich jedoch vier – Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam – eine zusätzliche Zeit erbeten, um sich darauf vorzubereiten. Diese Compliance Deadline wird Ende 2015 auslaufen. Alle anderen Nationen – Brunei, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand – befinden sich bereits im Einklang und haben die Zölle entsprechend gesenkt. Da zu diesen die größten ASEAN-Mitglieder gehören, ist die AEC (ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft) Compliance Deadline ein strittiger Punkt. Von diesen sechs Nationen sind fünf bedeutende Akteure beim Handel und bei der Herstellung von Gütern. Es folgt ein kurzer Überblick: 

Die Fertigungsindustrie Indonesiens trägt 24 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die wichtigsten Fertigungsindustrien betreffen die Herstellung von  Automobilen, Elektronikartikeln, Textilien, Schuhen, Lebensmitteln und Getränken, Palmölen, Metallprodukten und Chemikalien. Bis 2020 wird das Land voraussichtlich die weltweit größte sogenannte demographische Dividende haben. Da sich die neue Regierung auf Infrastrukturreformen konzentriert, um die mehr als 17.000 Inseln und Inselgruppen miteinander zu verbinden, ist sie bestrebt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch Steuererleichterungen für exportierende Hersteller zu verbessern.

Malaysias Fertigungsindustrie steht für circa 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die führenden Produktionszweige stellen elektrische und elektronische Produkte her, welche 32,9 Prozent der Exporte ausmachen. Weitere wichtige Exporterzeugnisse sind Mineralölprodukte, Chemikalien und chemische Produkte, Maschinen, Haushaltsgeräte und Ersatzteile, sowie optische und wissenschaftliche Geräte. Malaysia hat am 1. April 2015 Regierungsprogramme erstellt, um Herstellern bei der Abwicklung der Mehrwertsteuer zu helfen.

Auf den Philippinen beträgt  der Anteil der Fertigungsindustrie am Bruttoinlandsprodukt circa 23 Prozent. Im 2. Quartal dieses Jahres ist die Fertigungsindustrie, eine Kombination aus High-und Low-Tech-Industrien, um 10,8 Prozent gewachsen. Die Lebensmittelindustrie ist momentan der größte Produktionssektor, allerdings wachsen höherwertige Industrien, wie die Herstellung elektronischer und chemischer Produkte. Diese sind bereits mit der Senkung von Zöllen und Abgaben konform, sodass ASEAN-Freihandelsabkommen mit Australien, China und Indien bereits für sie gelten.

Singapurs Fertigungsindustrie trägt ungefähr 21 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. 2013 haben Chemikalien 33,4 Prozent der gesamten Industrieproduktion ausgemacht; Elektronikartikel  27,8 Prozent, Feinwerktechnik 11,4 Prozent, Transporttechnik 11,1 Prozent, Biomedizinische Produkte 8,2 Prozent und die allgemeine Produktion 8,1 Prozent. Die Regierung bietet erhebliche Anreize zur Produktivitätssteigerung, einschließlich Bargeldauszahlungen für Aus- und Weiterbildung, sowie Forschung und Entwicklung. Singapur bietet einen vorteilhaften Körperschaftssteuersatz von 17 Prozent – die niedrigste Quote innerhalb der ASEAN-Mitglieder.

Thailand – Mit einem Wert von ungefähr US $120 Million hat die Fertigungsindustrie im Jahr 2013 einen Anteil von circa 33 Prozent am Bruttoinlandsprodukts – mit deutlichem Abstand der höchste Anteil in allen ASEAN-Ländern. Die Hauptprodukte sind Schmuck, Elektronikgeräte, Kleidung, Computer und Ersatzteile, Möbel, Petrochemikalien und Automobile. Neben einer starken Exportwirtschaft hat Thailand auch einen wachsenden Verbrauchermarkt.

Diese Mitglieder befolgen bereits die Vorschriften zur Senkung von Zöllen und Abgaben, was bedeutet, dass ASEAN-Freihandelsabkommen mit Australien, China und Indien bereits für sie gelten. Bezüglich der vier anderen Länder kann man Folgendes sagen:

Kambodscha hat sich sehr bemüht, sein System zu aktualisieren und die zuständigen Regierungsbeamten über die Angleichung der Wirtschaft und Verwaltung des Landes an gemeinsame ASEAN- Standards zu unterrichten. Kürzlich hat es, in Zusammenarbeit mit der Regierung von Singapur, neue lokale Verfahren zum Schutz von IP (geistigem Eigentum) und Patenten eingeführt. Das Land steht jetzt schon vor einem deutlichem Handelsungleichgewicht mit China, und Kambodschas AEC Compliance könnte dieses noch vergrößern und mögliche politische Konsequenzen nach sich ziehen. Kambodscha unterhält enge Beziehungen zu Peking, allerdings könnte es sich sträuben, als Vasallenstaat behandelt zu werden. Angesichts der Tatsache, dass nicht alle Verwaltungsverfahren etabliert sind und die Regierung zögert,  bilaterale Handelsabkommen mit anderen Nationen zu unterschreiben, könnte Kambodscha entscheiden, die 2015 Compliance Deadline sei zu optimistisch und freier Handel könne, zum jetzigen Zeitpunkt, ein Nachteil für die sensible einheimische Fertigungsindustrie sein.

Laos befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Kambodscha, ist politisch allerdings enger mit Thailand verbunden, mit dem es den größten Teil seines Handels betreibt.  Die Regierung ist eher bereit, bilaterale Handelsabkommen zu unterzeichnen. Aufgrund einer bereits existierenden gesunden Handelsbilanz mit Thailand ist die Volkswirtschaft von Laos dadurch besser eingebunden und es könnte leichter für das Land sein, die 2015 Compliance Deadline einzuhalten.

Myanmar hat mit der 2015 Compliance Deadline ebenfalls deutliche Probleme. Das Land besitzt eine der geringsten Humanressourcen der Welt und würde wahrscheinlich nach Umsetzung der AEC Compliance Deadline durch günstige chinesische Importe überrollt, welche der heimischen Industrie Schaden zufügen würden. Die aktuellen Beziehungen mit China sind schwierig, da Infrastrukturprojekte in Milliardenhöhe gestrichen wurden. Myanmars Potenzial bleibt weiterhin gewährleistet, da es eine gute geographische Lage zwischen China und Indien hat, allerdings gibt es noch keine nationale politische Strategie, wie man diese am besten nutzen könnte. Dementsprechend wird die 2015 Compliance Deadline als zu früh angesehen, um es dem Land zu ermöglichen sich anzupassen.

Währenddessen erwartet Vietnam mit Spannung den Termin der Compliance Deadline. Vietnam hat sich strategisch als Konkurrent zu China in der Leichtindustrie positioniert und hat schon jetzt große Summen an chinesischen Investitionen von seinem Nachbarn übernommen. Als Folge einer eventuellen Senkung der Körperschaftssteuer auf möglicherweise 22 Prozent – drei Punkte unter Chinas Quote von 25 Prozent – erwartet Vietnam Investitionen aus China, welche die Senkung der Zölle ausgleichen sollen. Der Handel zwischen China und Vietnam wird voraussichtlich florieren.

Die AEC Compliance Deadline sieht vor, dass alle vier oben genannten Länder vorbereitet sind und bis zum Jahresende sowohl die Belastungen als auch die Vorteile einer Freihandelszone akzeptieren können. Im Lauf der Zeit wird sich zeigen, welches Land dazu in der Lage ist. Jedoch bedeutet es nicht das Ende der Welt, wenn eines der vier Länder die Compliance Deadline nicht einhalten kann, und die negativen Auswirkungen werden minimal sein. Insbesondere Kambodscha und Myanmar benötigen mehr Zeit , um sich anzupassen, und für sie ist eine Fristverlängerung eher von Vorteil, da es diese Länder davor bewahrt, einer Freihandelszone beizutreten, bevor die einheimischen Produzenten darauf vorbereitet sind.

 

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