Betriebskosten in Myanmar im Vergleich mit China

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Myanmar bleibt ein polarisierendes Land – eines der größten und bevölkerungsreichsten in Asien, aber dennoch eines der ärmsten und am wenigsten verstandenen. Es bleibt ein Land, welches siebzig Jahre lang größtenteils still stand – seit Ende des zweiten Weltkrieges hat sich kaum Infrastruktur entwickelt. Die Aufnahme in ASEAN sowie das aufkommende Gefühl für die Liberalisierung bringen Myanmar jedoch langsam zurück auf die Weltbühne. Infrastrukturelle Probleme bestehen weiterhin, jegliche Kommunikation außerhalb der größten Städte ist praktisch nicht vorhanden und sogar Elektrizität sowie der Zugang zu sauberen Wasser bleiben heikel. Myanmar ist im Wesentlichen ein Land, das entweder Investitionen von multinationalen Konzernen, oder aber Unternehmern aus dem Import Export Geschäft oder einfachem Produktionsgewerbe zuspricht.

Die multinationalen Konzerne können in zwei Lager aufgeteilt werden: Zum einen diejenigen, deren Ressourcenhunger gestillt werden soll – meistens aus China – und zum anderen jene meist westliche Unternehmen, die auf Infrastrukturaufträge hoffen. 

In Myanmar kommt es immer wieder zu bewaffneten Konflikten zwischen verschiedenen Volksgruppen und der Armee, welche Handel und Investitionsvorhaben erschweren. Allerdings ist es nicht komplett unmöglich, Marktzugang in Myanmar zu erschließen. Das deutsche Unternehmen und Start-Up Inkubator Rocket Internet hat z.B. jüngst in Myanmar eine E-Commerce Plattform gegründet. Dennoch bleibt es kein Ziel für die mutlosen oder unerfahrenen.

Entscheidend ist, dass Myanmar auch als Puffer zwischen China und Indien dient. Wenn dies strategisch genutzt werden kann, dann könnte Myanmar bestimmt innerhalb der nächsten 25 Jahre als Wettbewerber aufsteigen und zu einem asiatischen Tiger werden. Heutzutage ist es allerdings immer noch in industrieller Hinsicht rückständig, mit einem Fokus auf kleine, landwirtschaftliche und Fischereibetriebe. Rohöl und Gasprodukte werden nicht im Land verarbeitet, sondern fast komplett exportiert. Der Handelssektor ist sehr beschränkt.

Myanmar hat es sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2015 die Vorgaben der ASEAN Wirtschaftsunion umgesetzt zu haben, was sicherlich einige Wirtschaftsbereiche für Investitionen öffnen wird und Einfuhrabgaben auf verschiedene Produkte abschafft. Dennoch bleibt die Skepsis bestehen, ob das Land die Frist einhalten kann.

Mittlerweile hat Myanmar gute Handelsbeziehungen zu den folgenden Ländern:

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 Hinsichtlich des Handels, sind die Top Five der von Myanmar exportierten Produkte: Erdöl (42 %), Holz (11 %), getrocknete Hülsenfrüchte (10 %), nicht-gestrickte Herrenmäntel (2,9 %) und Gummi (2,8 %). Die Top Five der Importe des Landes sind: Eisenkonstruktionen (6,3 %), Autos (5,3 %), raffiniertes Erdöl (4,6 %), Lieferwagen (4,1 %) und Palmöl (4,0 %).

Myanmar fühlt den Weg in die Arena der bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen

Myanmar ist gerade dabei weitere bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)

mit anderen Ländern zu verhandeln. Bis heute hat das Land DBAS mit einigen anderen ASEAN Staaten: Malaysia, Singapur, Thailand und Vietnam, hinzu kommen Indien und das Vereinigte Königreich. Die verschiedenen DBAs können Sie hier entnehmen.

Hinsichtlich der durchschnittlichen Betriebskosten können wir China und Myanmar wie folgt vergleichen: Screen Shot 2016-01-08 at 4.35.24 PM

Myanmars Gesetz über ausländische Investitionen

Die folgenden Investitionsformen sind ausländischen Kapitalgebern in Myanmar möglich:

  • Hundertprozentig ausländisch investiertes Unternehmen
    • Eine Kapitalgesellschaft, die zu einhundert Prozent im Besitz des ausländischen Investors ist. Dennoch gibt es bestimmte kontrollierte Industrien, in denen private Investitionen noch immer nicht erlaubt sind.
  • Joint Venture
    • Zusammenschluss von einem oder mehreren ausländischen und heimischen Investoren. Ausländische Investoren können ihr Geschäft entweder als Kapitalgesellschaft oder als Partnerschaft gründen. In einigen speziellen Sektoren wird es von einem Investor verlangt, eine Partnerschaft mit einem myanmarischen Bürger oder Unternehmen einzugehen.
Zusätzliche Anforderungen

Unternehmungen in Bereichen wie z.B. Produktion, Bau und Bergbau, die normalerweise erhebliches Investitionskapital erfordern, müssen den Anforderungen des Gesetz über ausländische Investitionen (Myanmar Foreign Investment Law – MFIL) entsprechen und so registriert werden. Ausländische Handelsunternehmen und Dienstleistungsanbieter haben die Möglichkeit sich unter den Anforderungen des Unternehmensgesetzes (Myanmar Companies Act – MCA) zu registrieren.

Im Allgemeinen können hundertprozentig ausländisch investierte Unternehmen und Joint Ventures, in denen ein Partner der Staat Myanmar ist, unter dem MFIL registriert werden. Unternehmen die unter dem MCA registriert werden, benötigen nicht die Erlaubnis der Myanmar Investment Commission (MIC).

Das erforderliche Mindestkapital variiert von Fall zu Fall, abhängig von den Geschäftstätigkeiten. Im Allgemeinen muss der Mindestanteil für ausländische Investoren mehr als 35 % des Gesamtkapitals betragen.

Das Gesetz legt fest, dass für Unternehmen die nach dem MFIL registriert sind, ein spezifiziertes Mindestkapital von USD 500.000 (EUR 448.000) erforderlich ist. In der Realität wird das Mindestkapital von Fall zu Fall durch die MIC festgelegt – es wird von Unternehmen häufig verlangt zwischen EUR 896.000 und EUR 1,8 Mio. zu investieren.

Für Unternehmen die nach dem MCA registriert sind, ist der Minimumsatz viel niedriger, mit einem Mindestkapital von EUR 135.000 für ein Produktionsunternehmen oder EUR 45.000 für ein Dienstleistungsunternehmen.

Wenn ein Unternehmen Im- und Export Aktivitäten nachgehen möchte, muss es zuerst eine Importeur/Exporteur Karte (EI Card) erlangen. Derzeit ist es nur Unternehmen, deren Operationen in der Produktions- oder Industriebranche liegen, erlaubt, eine EI Card zu besitzen. Weiterhin ist eine Im-/Export Lizenz erforderlich für jede Im-/Export Aktivität für jedes Gut, welches im-/exportiert wird. Die EI Lizenz muss vor der Versendung der Güter ausgestellt werden.

Fachliche Ressourcen

Wie erwähnt, bleibt Myanmar ein unterentwickeltes Land, nicht nur hinsichtlich der Infrastruktur. Japan hat in eine besondere Sonderwirtschaftszone, Thilwa, südlich von Rangoon, investiert – und es wird erwartet, dass Steuererleichterungen und andere Begünstigungen angeboten werden. Zwei weitere Zonen werden in Dawei und Kyaukpyu errichtet, diese werden allerdings nicht vor Ende 2015 einsatzbereit sein.

Myanmar hat eine relativ primitive Bank- und Finanzstruktur, von daher kann es schwierig sein, Kapital zu transferieren oder Überweisungen in oder aus dem Land heraus zu arrangieren. Dennoch gibt es eine große Anzahl an asiatischen und internationalen Banken, die als Repräsentanz und Niederlassungen mit beschränkten Geschäftsaktivitäten im Land operieren. Eine vollständige Liste können Sie hier finden.

Zusammenfassung

Myanmar, obwohl immer noch geheimnisvoll, ist immernoch größtenteils ein Spielplatz für multinationale Konzerne oder Glücksritter, obwohl etwas Leichtindustrie aus China, Singapur und Thailand ausgelagert wurde. Bestehende Problempunkte sind die Umsetzung der ASEAN Ziele bis Ende 2015 sowie die termingerechte Eröffnung der angekündigten Entwicklungszonen. Eine größere Liberalisierung bezgl. der ausländischen Investitionen und Handelsgesetze sowie eine bessere Infrastruktur wird von der Regierung gefordert.

Erfahrene Investoren mit einem Blick auf China, Indien und ASEAN können sehr wohl in Myanmar erfolgreich sein, die geographische Lage und die derzeitig, niedrigen Betriebskosten sind dabei von Vorteil. Der Schlüssel dazu ist fundiertes Wissen sowie ausreichend Beratung; das Land bietet genügend Chancen und Potential – für jene, die sich früh genug in den Markt wagen.

 

 

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Fabian Knopf, Senior Associate, Head of German Desk, Dezan Shira & Associates Fabian.Knopf@dezshira.com

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Bestimmungen zu Verrechnungspreisen in Asien: Die ökonomische Bedeutung von Verrechnungspreisen ist unangefochten. Das Ziel der Steuerbehörden lautet deshalb, die Interessen des jeweils eigenen Landes zu schützen und zu verhindern, dass Konzerne mithilfe der Verrechnungspreise sich Steuervorteile einräumen. Ein verstärktes Augenmerk wird deshalb auf eine detaillierte Dokumentierung von Transferpreisen gelegt, damit diese nachvollzogen und überprüft werden können, da letztlich nur so ein „faires“ Steuersystem möglich ist.

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